Die Geschichte von Calad Amar 2.0

Werter Leser,

dies ist mein Abschiedsgeschenk. Es handelt sich um meine Geschichte und die einzige Chronik über dieses junge Reich und was uns hierher brachte.
Ich bin wohl einer der letzen Überlebenden des großen Ereignisses gewesen, dass uns neu anfangen lies. Mein gesamtes Leben habe ich darauf verwendet dies niederzuschreiben. Es ist eine Sammlung aller Dokumente die ich aus dem altem Reich finden und zusammentragen konnte. Darüber hinaus, wohl die wertvolleren Schriftstücke, welche ich aus dem brennenden Haus meines Mentors, Lehrers und Freundes retten konnte. Dies ist meine Rekonstruktion der Dinge, die passierten und welche uns hierher verschlagen haben.

Wir schreiben das Jahr 427 nach Brogansfall. Das Königreich Eothai hat vor einigen Jahren Frieden schließen können und befand sich aufgrund von neuen wertvollen Handelsverbindungen auf dem Hoch seiner circa 400 Jährigen Geschichte. Die bisherigen Gelder für Militär und Kriegsmaschinerie wurden jetzt in die Erforschung der Magie investiert.
Als der neue Hofmagus ins Reich kam und schon nach wenigen Tagen sich seiner Ernennung durch den Reichskaiser erfreuen durfte, begann Eothai zu wachsen und zu ungeahntem Reichtum zu erblühen. Es umgaben Ihn stets Geheimnisse, doch keins ist größer als das um ihn selbst.
Niemand wusste woher er kam und auf welche Art der Magie er sich verstand.
Im Alter von 6 wurde ich ihm als Schüler übergeben. Meine Eltern wussten, dass ich intelligent genug für die Lehre eines Schreibers war und so viel es ihnen nicht schwer mich in die Lehre zu geben. Irian Eglamor Al’Ajan stand eines Abends vor der Tür meines Geburtshauses und bat um mich als Schüler. Meine Eltern stimmten fast augebenlicklich zu. Ich habe meine Eltern nicht wiedergesehen.
Ich lernte ungemein schnell. In nur 3 Jahren hatte ich den Wissenstand eines gelehrten erreicht. Mir wurde lesen und schreiben, aber auch Geographie und Alchemie gelehrt. Doch keiner lehrte mich bisher  Magie.
Im Jahre 436 nach Borgansfall entdeckte ich während meiner Astronomiestunden im Turm des Mentors einen neuen Fixstern.

Auszug aus meinem Tagebuch

Donnerstag 05.05.436 BF
[…] Wir haben heute erneut den Stern an exakt dem selben Ort vorgefunden. Es muss sich um einen Fixstern handeln. Besonders freut mich, dass der Meister sehr begeistert darüber ist, dass wir ihn entdeckt haben. Ich glaube auch, dass es langsam Zeit wurde, dass ich mal etwas erreiche mit meiner Aubildung. Auch wenn mein schlechtes Gewissen bezüglich meiner Leistungen bisher nicht sofort weggewischt waren. Immerhin betitelte der Meister den Beweis, dass sich der Stern tatsächlich nicht bewegt hat mit den Worten: „ Endlich, so viele Jahre! “

 

Nach diesem Fund wurde mein Astronomieunterricht eingestellt.  Meine magische Ausbildung sollte nun endlich beginnen. Er gab mir ganze Karrenladungen an Büchern, die ich studieren sollte. So habe ich viele Nächte an meinem Tisch in meinem Kämmerlein gesessen, um die knappen Zeitrahmen die ich zum Lesen dieser Bücher bekam, einhalten zu können. In einer dieser Nächte bemerkte ich zum ersten mal, dass ich aus meinem kleinen Fenster meinen Fixstern sehen konnte. Jede Nacht betrachtete ich ihn bis mir plötzlich auffiel, dass es schien, als wäre er größer geworden. Zunächst schob ich es auf die Müdigkeit. Als ich es mir mit dem Fernglas ansehen wollte musste ich feststellen, dass der alte Astronomieturm vollkommen ausgeräumt wurde. Meine Frage nach dem Verbleib der Geräte wurde mir knapp mit :“ Deine Astronomieausbildung ist abgeschlossen, wir benötigen diese Dinge nicht mehr.“ beantwortet.

Auszug aus meinem Tagebuch:
„Donnerstag 09.07.436 BF
[…] Ich habe heute endlich den Beweis erbracht. Mein Fixstern wächst. Meine Konstruktion funktioniert ausgezeichnet. In den nächsten 2 Wochen kann ich sofern er kontinuierlich weiter wächst genau sagen, wie schnell er wächst. Dann kann auch der Meister meine Worte nicht mehr unbeachtet bei Seite schieben. Ich sehe ihn immer seltener. Er verbrachte schon immer viel Zeit im seiner Kammer, aber seit ein paar Wochen erscheint er nicht mal mehr zum Essen. Er sollte nicht so viel Arbeiten, seine Laune verschlechtert sich zusehends.
[…] “

Weitere Tage zogen ins Land. Ich machte jede Nacht meine Messungen. Weitere 14 Tage später musste ich entsetzt feststellen, dass mein Fixstern schneller wächst als noch bei der letzen Messung. Auch mein Meister beunruhigte dies zunehmend. Immer öfter verbrachte er ganze Nächte mit dem Kaiser und seinen Beratern hinter verschlossenen Türen, aber er wollte mir einfach nicht verraten, was das alles zu bedeuten hat.
Ein Dokument, was Einblick hinter diese Tür geben konnte, war ein Brief des Meisters, den ich aus dem Turm retten konnte. Leider war dieser Text sehr stark beschädigt, weswegen ich nicht viel rekonstruieren konnte.

Auszug aus einem Schreiben des Kaisers an den Hofmagus

Übergabedatum an den Kurier der Kaiserlichen Post  11.07.436 BF
Eilbotschaft an den Hofmagus Irian Eglamor al’Ajan
Oberste Priorität : Nur persönlich Übergeben!
[…] Diese Situation ist ein Desaster! Wie konnte das passieren? Ihr habt mir versichert, dass eure privaten Studien […] Sobald ich zurückgekehrt bin und ich werde noch heute Nacht aufbrechen müssen,  erwarte ich 2 mal am Tag Bericht was eure Fortschritte bezüglich […] Weiter werde ich veranlassen, dass auch die Erzmagier der Universität sich dessen annehmen. Ich erwarte von euch bedingungslose Zusammenarbeit. Wenn stimmt, was ihr vermutet, ist nicht nur das Reich bedroht. Ich werde nach weiteren […] Außerdem hoffe ich es ist euch klar, das Ihr in der Schuld steht die Unschuld die ihr beteuert zu beweisen.

Nach dem der Kaiser zurück in der Stadt war kamen täglich Boten und brachten Meldungen für den Meister. Noch am Selben Abend tauschten die beiden Unmengen an Nachrichten aus. 4 Boten hielten sie die ganze Nacht auf den Beinen. Meinen Meister sah ich an jenem Tag nur wenn die Boten die Briefe entgegen nahmen.
Soweit ich jedoch weiß, blieb der Meister dem Kaiser jenen Beweis für die lächerliche Idee mein Meister hätte mit seinen Studien Unheil heraufbeschworen schuldig. Doch war ich dabei, als das letze mal über diese Schuld gesprochen wurde.
Auszug aus meinem Tagebuch:
„Dienstag der 14.07.436 BF
[…] Das Buch über „Gedankenverschluss und geistiger Abschirmung als Schutz vor Gedankenkontrolle und Gedächtnissänderung“ das ich derzeit lesen muss ist schwere kost. Diese verklausuliert und stellenweise scheinbar unzureichend übersetzen Texte in diesem Steinalten werk wollen einfach nicht in meinen Kopf.
Hinzu kommt, dass ich mit meinen Studien im Moment nicht voran kommen kann. Heute habe ich es wieder nur geschafft 20 Seiten zu lesen. Der Meister hält mich zu sehr in Beschlag. Diesmal ging so weit, dass ich ihm den halben Tag lang quer durch die Stadt folgen musste. Permanent diktierte er mir schreiben und Listen die ich beim laufen niederschrieb. Und wenn wir nicht Besorgungen oder Bestellungen  machen waren, saß ich im Lehrsaal und schrieb meine Notizen ins reine, die aufgrund des Laufens kaum zu lesen waren.
Ein Weg heute war jedoch seltsam. Kurz vor dem Mittag hatte der Meister eine Audienz  beim Kaiser.
Während der Audienz saß ich draußen vor dem Saal und wartete darauf, dass der Meister und der Kaiser fertig mit ihren Besprechungen waren. Kurz vor dem Ende des Gespräches kam ein Bote angelaufen. Vollkommen außer Atem hob er einen roten Briefumschlag und die Wachen ließen ihn passieren. Mein Meister war scheinbar gerade im Aufbruch, und der Bote hätte ihn beinahe umgelaufen. Als mein Meister mich durch das offene Tor sah rief er mich für neue Notizen zu sich. Durch das allgemeine Durcheinander, ausgelöst durch den Boten ist mein Eintreten auch scheinbar von niemanden recht bemerkt worden. Da schaute der Kaiser plötzlich auf den Meister und fragte, ob er bevor er ginge nun endlich einen Beweis seiner Unschuld hätte. Er sah ernst und streng aus, wie ich ihn selten gesehen habe. Der Meister drehte sich nur kurz um, sah den Kaiser fest an und und sagte langsam:“ Ich habe nichts damit zu tun, Ihr könnt mir glauben. „
Ich hoffe eines Tages bringt man mir auch so ein Vertrauen entgegen wie der Kaiser meinem Meister.  Diese wenigen Worte schienen ihn vollkommen zufrieden gestimmt zu haben. Beeindruckend, ich werde mich noch mehr in meine Studien hängen um auch einmal solchen Respekt zu genießen.

Der Grund, der mir dies so stark in Erinnerung gehalten hat ist ein Geheimniss, dass ich bis heute nicht lüften konnte. Ich bin Ihm über  Tage hinterhergelaufen und habe bald schon nichts anderes mehr gemacht als geschrieben. Doch Trotz Schwielen an den Fingern und Bergen an Papier kann ich mich nicht mehr an eine einzige Zeile erinnern, die ich dort für ihn niederschrieb. Anfangs schob ich es noch auf die Ausfälle eines überlasteten Geistes, doch heute bin ich mir da nicht mehr so ganz sicher. Zu jener Zeit jedoch, war ich froh wenn ich Schlaf gefunden habe. Ich habe mir auch weiter keine Gedanken mehr gemacht, da die Schuldfrage vom Tisch war. All diese neuerliche Aufregung war bisher aber scheinbar noch nicht seltsam genug für mich, denn bisher war ich mir dem Ausmaß der Situation noch gar nicht bewusst. Für mich war das bisher alles nur ein wichtiges Projekt des Kaisers.
Als ich aber wenige Wochen später den Auszug aus dem Brief gelesen hatte, war mir klar das ich schon viel früher hätte aufmerksam werden müssen. Ich war noch zu jung und zu naiv, um das was uns erwarten würde überhaupt im Ansatz begreifen zu können.
Als dann schließlich mein Messzyklus wieder an einem Punkt angekommen war, dass ich die Daten zu neuen Berechnungen auswerten konnte musste ich die Entdeckung machen, die für mich alles Verändern würde. Besonders die geänderte Beziehung zu meinem Meister ist es, die mir auch nach vielen Jahren die Tränen in die Augen treibt.

Auszug aus meinem Tagebuch:
„Donnerstag 23.07.436 BF
Meine neuen Messungen haben etwas beängstigendes Ergeben. Mein Stern wächst nun noch schneller. Bei meinen weiteren Berechnungen ist mir aufgefallen, dass die neuerliche Änderung der Beschleunigung des Größenwachstums auf eine Annähreung eines Objektes schließen lassen kann.
Ich trau mich kaum es niederzuschreiben, aber da kommt etwas auf uns zu. Meinem Meister schien das keine wirkliche Neuigkeit zu sein. Als ich zu ihm gerannt war und ihm gerade vollkommen außer Atem erklären wollte, was ich herausgefunden hatte, sah er mir bevor ich sprechen konnte nur tief in die Augen und sagte: „ Es nähert sich uns, ich weiß. „ Als hätte er meine Gedanken gelesen, aber beängstigender fand ich, wie ruhig er diese Sache ausprechen konnte.
Mittlerweile haben auch die Bewohner der Stadt bemerkt, dass dort ein neuer und mittlerweile auffallend große Stern sich am Himmel erschienen ist. Erste Gerüchte über ihn tauchen in den Straßen und Tavernen auf.
Der Meister findet mittlerweile gar keinen Schlaf mehr, er arbeitet nur noch. Es sieht ausgelaucht und alt aus. Es scheint, dass irgendetwas seine ganze Kraft benötigt. Besonders nach wichtigen Gesprächen wirkt er matt und erschöpft.
Ich bin so eingspannt wie noch nie. Meine Privaten Studien über den Stern muss ich nun auch aufgeben, ich habe einfach zu viele Aufgaben für den Meister zu erledigen.
Einerseits freue ich mich, dass ich ihm endlich eine Hilfe sein kann aber ich fang an mich zu fragen, warum ich noch immer nicht so wirklich sagen kann, was ich eigentlich alles für dem Meister mache. Ich sollte mir mehr Ruhe gönnen, meine vermeintlichen Erinnerungslücken werden immer größer. Ich bin vollkommen überarbeitet und weiß nicht wie lange ich das noch durchhalte.“
Nach diesem Tag schenkte mir der Meister immer weniger Aufmerksamkeit und zog sich immer mehr in sich selbst zurück. Schon 2 Tage später hatten wir keinen Kontakt mehr. Schriftlich lies er mir mitteilen, dass mein Unterricht bei ihm jetzt vollends auf Eis gelegt werden müsse. Auch meine Schreibarbeit für den Meister wurde vollkommen eingestellt. Wenige Tage später verlies ich den Turm und zog in das örtliche Gasthaus. Die vorletzte Botschaft die ich vom Meister erhielt verwies mich des Turmes, er hatte mir ein Zimmer im nahegelegenen Gasthaus für den Übergang gebucht und bezahlt.
Ich konnte später aus dem Turm meines Meisters ein kleines Büchlein retten, welches vielleicht erklärt, warum der Meister so Erchöpft aussah. Denn seine Erschöpfung ging  weit über die der Schlaflosigkeit hinaus. Er hatte zuvor auch schon Wochen ohne Schlaf ausgehalten und sah nicht so geschafft wie in dieser Zeit aus. Ich glaube er verbrauchte täglich viel seiner magischen Kraft. Dieses Büchlein ist eine Auflistung von Namen und Daten. Ein tägliche geführte Tagebuch über verbrauchte Zauberkraft.
Er schien sich seine magische Belastbarkeit gut einzuteilen. Leider konnte ich nie Entschlüsseln, um welche Zauber oder Rituale es sich handelte, die hier niedergeschrieben waren. Latein ist etwas, das er mich nicht lehrte und es gibt leider keine Bücher mehr, die helfen könnten diese heute tote Sprache nochmal zu entschlüsseln. Üblich jedoch war es damals Zaubersprüche im lateinischen zu benennen und zu sprechen.
Auszug der Namensliste:

[…] 30.07.436 BF
G.H.         Imperavi Humanus
CH.T.        Oblivio
J.H.H.R         Imperavi Humanus perm.
T.W.        Oblivio
[…]“

Bis zu dem Tag meines mehr oder minder Rauswurfes aus dem Turm sah ich in den Listen meine Initialien fast täglich. Das kann ein großer Zufall sein, denn wenn ich ehrlich bin kann ich mich nicht daran erinnern, dass der Meister jemals in meiner Gegenwart überhaupt gezaubert hat. Das allerdings mit meinem Fortgehen auch die Initialien aus der Liste verschwanden, verwunderte mich doch sehr. Aber ich bin mir sicher, nie unter einem Zauber gestanden zu haben! Glaube ich zumindest

Fortsetzung folgt…

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