Die Schlacht um Gwin Bar [RPG]

Es war eine unruhige Nacht. Hunger quält dich und hält dich auch heute wieder vom Schlaf ab, den du doch so dringend benötigst.
Doch seit die Orks in das Reich eingefallen waren, sind nach und nach immer mehr Städte zunächst belagert und dann entweder zerstört oder aufgegeben worden. Die „Krise“, wie es überall politisch schön gefärbt genannt wurde, war mittlerweile der Art eskaliert, dass das Leben in dieser einst so schönen neuen Welt kaum noch als Leben bezeichnet werden konnte. Überall werden Flüchtlinge, die nur haben, was sie am Leib tragen, aufgenommen und in Notunterkünften wie die Heringe gestopft. Und auch die Kornkammern Gwin-Bars sind auf einen solchen Ansturm an Menschen nicht vorbereitet. Die Stadt hungert. Seit Wochen hat niemand mehr Nachricht von den umliegenden Städten gehört. Und die gierigen Orks weichen keinen Meter von den Mauern Gwin-Bars zurück.

Gedankengänge wie dieser, Sorgen und Nöte, sind es, die dich vom Schlafen abhalten. Nahezu jede Nacht. Heute Nacht bist du der einzige, der aus dem Dachfenster einer Scheune über die Dächer der Stadt blicken kann. Die anderen, mit denen du dein Notlager teilst, hatten es in den frühen Morgenstunden geschafft, endlich einzuschlafen. Neidisch schaust du durch die Runde der Schlafenden, Freunde, Familie… einige von ihnen hast du seit Jahren nicht gesehen. So gesehen hatte diese „Krise“ auch etwas Gutes. Sie führte die Menschen wieder zusammen. Aber um welchen Preis?

Ein Geräusch auf der Straße lässt dich aus deinen trüben Gedanken hochfahren. Warst du etwa eingeschlafen?

Eine schwarz gewandete Gestalt eilt zügig über die Straßen. Zunächst kannst du dir keinen Reim darauf machen, wer zu dieser nächtlichen Stunde durch die Stadt streift, doch wenige Augenblicke später kannst du noch weitere Schatten sehen, die in alle Richtungen in der Nacht verschwinden. Sie alle kamen aus Richtung des Rathauses.
Drei laute und kräftige Schläge an das Tor deiner Notunterkunft lassen dich den Blick hinunter auf die Straße vor der Scheune senken. Einer der Schatten hat ein großes, helles Stück Pergament an die Tür genagelt und ist dann eilig die Straße hinab gelaufen, welche zum Stadttor in Richtung Sendelminar führt.
Verträumt schaust du der Figur noch eine Weile in die Nacht hinterher, wendest deinen Blick erst ab, als deine Augen dir einen Streich zu spielen scheinen. Ist diese Person gerade die Stadtmauer senkrecht ohne langsamer zu werden hinauf gelaufen?
Eine Weile bleibst du noch am Dachfenster der Scheune sitzen, schaust in die Nacht und gibst dich ganz deiner Sorgen hin. Erst als du Wärme auf deiner Haut spürst, bewegst du dich wieder, die Glieder ganz steif von deiner unbewegten Haltung.

Die Sonne ging auf… du musst über Stunden einfach nur da gesessen haben, regungslos.

Wie eine gut platzierte Ohrfeige trifft dich ein Gedanke, woraufhin du hell wach aufspringst.
Die nächtliche Gestalt hat etwas an das Scheunentor genagelt. Eilig wie der Wind stolperst du die Treppe hinunter, öffnest das Tor und liest den gesiegelten Anschlag:

An alle Bürger Calad Amars
Seine Königliche Hoheit, der Hohe Rat und die verbliebenden Führer aller Nationen des Reiches haben sich zusammen gesetzt, um eine Lösung für die Krise, die uns alle bedroht zu finden.
Doch leider konnte nichts, was bisher versucht worden ist, einen Erfolg gegen die orkische Übermacht erringen.
Es ist kein Geheimnis, dass Gwin-Bar dieser Belagerung nicht mehr lange standhalten kann.
Daher fordern der König, der Hohe Rat und die Führer der Nationen einen jeden waffenfähigen Bürger auf, seinem Reich zu Diensten zu sein.

Ein Jeder, der es vermag, ein Schwert zu führen, einen Bogen zu spannen oder auch nur sich auf das Handwerk eines Knappen versteht, hat sich am Morgen des 8 Tages im Jahre 539 ndS auf dem großen Platz vor dem Rathaus mit voller Rüstung und all seinen Waffen einzufinden.
Morgen, wird die Stadt und das Reich sich ein letztes Mal den Belagerern in den Weg stellen. Der der geplante Ausfall wird diese derart überraschen, dass die Strategen des Reiches maximale Chancen gegen die Orks vorsehen.

Kommt und Kämpft für das Reich, kämpft für die Freiheit aller und lehrt dem Orkgesindel das Fürchten!

Als du zu Ende gelesen hast, bemerkst du, dass du nicht der Einzige bist, der schweigend vor dem Pergament steht.
Doch genau wie auch die anderen vermagst du kein Wort dazu zu sagen.
Schweigend gehen die Leute weiter und auch du gehst zurück in dein Notlager. Du gehst hinüber zu den Betten deiner Söhne. Siebzehn und dreizehn. Beide waren eigentlich zu jung für den Krieg, doch ist in dem Großteil ihrer Lebenszeit Krieg gewesen. Nie so dicht und nie so gefährlich.

Schweigend lesen auch sie den Aufruf und scheinen sofort zu verstehen.

„Ich will auch meinen Teil leisten“, diese Worte deines Jüngsten schnitten wie glühende Messer in dein Gemüt, unterbrechen deine Vorbereitungen jedoch nicht. Zumindest würde er nicht an der Front kämpfen müssen, wie Alrick dein Erstgeborener.
Traurig lächelnd wirfst du ihm ebenfalls einen Rucksack zu, in welchem sich fast alles befindet, was ein guter Knappe so braucht…

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