Frühlichter Wochenmarkt [RPG]

Frühlichter Wochenmarkt

Als du heute versuchst durch Frühlicht zurück zum Hafen zu gelangen, fällt dir dies schwerer als sonst. Nicht das du beladener wärst als üblich, oder du sonst wie lahm zu Fuß, nein, du kommst einfach vor lauter Karren, die mühselig den steilen Hang hinauf in die Stadt gezogen werden, nicht hinunter zum Hafen. Wie es aussieht, sind heute ein gutes Dutzend Händler mit den Schiffen in dem Örtchen auf dieser idyllischen Insel angekommen.
Doch beim genaueren Hinsehen erkennst du, dass es sich keines Wegs um die bekannten Gesichter des Frühlichter Marktplatzes handelt. Diese Leute scheinen von weiter her zu kommen. Aber warum alle auf einmal?
Klar kommen hier und da andere Händler aus der Ferne in die Stadt, um Waren feil zu bieten. Doch beschränkten die sich meist eher auf kleine Buden am Hafen oder vor der Stadtmauer. Und wenn überhaupt, hast du nie mehr als zwei oder drei auf einmal gesehen.
Interessiert bahnst du dir weiter den Weg durch die Grüppchen von Schaulustigen, die sich um das Treiben der Händler gesammelt haben. Du bist sogar kurz versucht, dieses neugierige Pack aus dem Weg zu scheuchen, oder noch besser, sie zur Hilfe aufzufordern, sind doch sie einer der Hauptgründe, wegen dem die Händler kaum voran kommen. Doch fühlst du selbst das Verlangen zu erfahren, was sich hinter diesem Treiben verbirgt.
Erst jetzt fällt dir auf, dass du längst nicht mehr auf dem Weg zum Hafen bist. Ein belangloses Gespräch mit einem der Makler in der Menge vortäuschend – “ Joa und wie läuft’s so in der Makler-…ei?“„Ach gut joa, und selbst… ?“ – findest du dich selbst auf der Anhöhe wieder, wo die schöne Wiese mit dem kleinem Teich in der Mitte das grüne Herz der Stadt bildet. Erstaunt blickst du dich um, denn wie es scheint, möchte keiner dieser Händlerkarren der Straße weiter hinab in die Senke, in der der eigentliche Frühlichter Markt stattfindet, folgen.

„Da kommt Ärger… endlich, ich bin gespannt, was der diesen Rasenlatschern jetzt an den Kopf wirft.“, denkst du bei dir, als du siehst, wie der Herold versucht, sich einen Weg durch die gaffenden Leute zu bahnen.
Die Menge verstummt, als der Ausrufer auf der größten Fläche in mitten der Staunenden stehen bleibt und sich umguckt. Ganz offensichtlich ist er mit seiner Platzwahl einigermaßen zufrieden, doch etwas scheint ihn noch zu stören. Die Stille auf dem Platz wird je durch ein lautes Knallen von Stahl auf Stahl unterbrochen. Wie ein einziger Körper zuckt die ganze Menschenmenge zusammen. Als eine kleine Gestalt durch die Wand aus Leute hervorbricht, atmen gut hundert Münder gemeinsam ruckartig ein. Erneut trifft Stahl hart auf Stahl. Doch diesmal wird einem jedem sofort klar, woher dieser Klang tatsächlich stammt. Es ist nicht der junge Bursche, der mittlerweile eine kleine Kiste durch die Herumstehenden gezogen hat, nein es ist viel mehr der Klang eines Hammers, der einen Nagel durch zwei Leisten treibt.
Ungerührt durch Herold und Menschenmenge, hatten die Händler in aller Ruhe damit begonnen, ihre Marktbuden aufzubauen. Zeit ist Geld denkst du bei dir und richtest deine Aufmerksamkeit endlich zurück auf den Ausrufer.
Dieser steigt mit erhobener Augenbraue, den Blick auf seinen jungen Gehilfen gerichtet, auf die endlich platzierte Kiste. Gut eine Elle höher als vorher, blickt der Ausrufer noch einmal missbilligend auf die eifrig bauenden Händler und rollt andächtig sein mitgebrachtes Pergament auseinander.

„Meine Damen und Herren, da ja scheinbar der Marktplatz kein angemessener Ort mehr ist und man sich lieber hier versammelt … „, die Sprechpause nutze er um noch einmal ein wenig strafend durch die Menge zu blicken, „bin ich natürlich gern bereit, die neuesten Nachrichten direkt an den Ort des Geschehens zu bringen!“
Schwungvoll bringt er sich in Pose, so dass die Kiste unter seinen Füßen bedrohlich wackelt.
„Der Hohe Rat der neutralen Stadt Frühlicht gibt mit sofortiger Wirkung bekannt:
Durch die Erlangung neuer Stadtrechte auf Grund ausgezeichneter Exporterfolge, sieht sich die Stadt Frühlicht in der Lage, fortan einem Jedem mit einer Handelsabsicht einen Stand auf einem gesonderten Marktgelände zur Verfügung zu stellen. Der Hohe Rat bemüht sich, in den nächsten Tagen eine geeignete Vertrauensperson zu ernennen, welche mit bestem Wissen und Gewissen Plätze zu einer geringen Standgebühr vermieten soll.
Die Standlizenzen werden Tageweise nach Standgröße bemessen vergeben. Dem jeweiligen Inhaber wird dadurch ermöglicht, einen kleinen Stand mit verschließbaren Kisten und Schildern selbst zu gestalten.

Weiter wird der andersweltlich genannte „Mittwoch“ in den Stunden zwischen 19 und 22 Uhr zur offiziellen Marktwoche ernannt.
Um diese neue Handhabe zu feiern, lädt der Hohe Rat einen Jeden am kommenden „Mittwoch“ zu einer kleinen Festivität auf dem neu geschaffenem freien Marktgelände in Frühlicht ein. In der Zeit zwischen 19 und 22 Uhr steht es jedem frei, die aufgebauten Marktstände zu betrachten und frei zu handeln.
…“
Tobender Applaus übertönt die üblichen Grußformeln am Ende der Rede des Ausrufers.
Wie es scheint, braucht es gar keine Einladung für die kommenden Tage. Die Meute ist jetzt schon in Feierlaune.
Laut und erregt schwatzend lässt du dich mit der Masse in die nächste Schenke treiben…
„War da nicht noch was? Wollte ich nicht irgendwo hin?“ – schießt es dir noch durch den Kopf als man dir den dritten Humpen reicht…
Zum Wohl!

Schlacht um Gwin Bar [RPG]

Die Schlacht um Gwin Bar [RPG]

Es war eine unruhige Nacht. Hunger quält dich und hält dich auch heute wieder vom Schlaf ab, den du doch so dringend benötigst.
Doch seit die Orks in das Reich eingefallen waren, sind nach und nach immer mehr Städte zunächst belagert und dann entweder zerstört oder aufgegeben worden. Die „Krise“, wie es überall politisch schön gefärbt genannt wurde, war mittlerweile der Art eskaliert, dass das Leben in dieser einst so schönen neuen Welt kaum noch als Leben bezeichnet werden konnte. Überall werden Flüchtlinge, die nur haben, was sie am Leib tragen, aufgenommen und in Notunterkünften wie die Heringe gestopft. Und auch die Kornkammern Gwin-Bars sind auf einen solchen Ansturm an Menschen nicht vorbereitet. Die Stadt hungert. Seit Wochen hat niemand mehr Nachricht von den umliegenden Städten gehört. Und die gierigen Orks weichen keinen Meter von den Mauern Gwin-Bars zurück.

Gedankengänge wie dieser, Sorgen und Nöte, sind es, die dich vom Schlafen abhalten. Nahezu jede Nacht. Heute Nacht bist du der einzige, der aus dem Dachfenster einer Scheune über die Dächer der Stadt blicken kann. Die anderen, mit denen du dein Notlager teilst, hatten es in den frühen Morgenstunden geschafft, endlich einzuschlafen. Neidisch schaust du durch die Runde der Schlafenden, Freunde, Familie… einige von ihnen hast du seit Jahren nicht gesehen. So gesehen hatte diese „Krise“ auch etwas Gutes. Sie führte die Menschen wieder zusammen. Aber um welchen Preis?

Ein Geräusch auf der Straße lässt dich aus deinen trüben Gedanken hochfahren. Warst du etwa eingeschlafen?

Eine schwarz gewandete Gestalt eilt zügig über die Straßen. Zunächst kannst du dir keinen Reim darauf machen, wer zu dieser nächtlichen Stunde durch die Stadt streift, doch wenige Augenblicke später kannst du noch weitere Schatten sehen, die in alle Richtungen in der Nacht verschwinden. Sie alle kamen aus Richtung des Rathauses.
Drei laute und kräftige Schläge an das Tor deiner Notunterkunft lassen dich den Blick hinunter auf die Straße vor der Scheune senken. Einer der Schatten hat ein großes, helles Stück Pergament an die Tür genagelt und ist dann eilig die Straße hinab gelaufen, welche zum Stadttor in Richtung Sendelminar führt.
Verträumt schaust du der Figur noch eine Weile in die Nacht hinterher, wendest deinen Blick erst ab, als deine Augen dir einen Streich zu spielen scheinen. Ist diese Person gerade die Stadtmauer senkrecht ohne langsamer zu werden hinauf gelaufen?
Eine Weile bleibst du noch am Dachfenster der Scheune sitzen, schaust in die Nacht und gibst dich ganz deiner Sorgen hin. Erst als du Wärme auf deiner Haut spürst, bewegst du dich wieder, die Glieder ganz steif von deiner unbewegten Haltung.

Die Sonne ging auf… du musst über Stunden einfach nur da gesessen haben, regungslos.

Wie eine gut platzierte Ohrfeige trifft dich ein Gedanke, woraufhin du hell wach aufspringst.
Die nächtliche Gestalt hat etwas an das Scheunentor genagelt. Eilig wie der Wind stolperst du die Treppe hinunter, öffnest das Tor und liest den gesiegelten Anschlag:

An alle Bürger Calad Amars
Seine Königliche Hoheit, der Hohe Rat und die verbliebenden Führer aller Nationen des Reiches haben sich zusammen gesetzt, um eine Lösung für die Krise, die uns alle bedroht zu finden.
Doch leider konnte nichts, was bisher versucht worden ist, einen Erfolg gegen die orkische Übermacht erringen.
Es ist kein Geheimnis, dass Gwin-Bar dieser Belagerung nicht mehr lange standhalten kann.
Daher fordern der König, der Hohe Rat und die Führer der Nationen einen jeden waffenfähigen Bürger auf, seinem Reich zu Diensten zu sein.

Ein Jeder, der es vermag, ein Schwert zu führen, einen Bogen zu spannen oder auch nur sich auf das Handwerk eines Knappen versteht, hat sich am Morgen des 8 Tages im Jahre 539 ndS auf dem großen Platz vor dem Rathaus mit voller Rüstung und all seinen Waffen einzufinden.
Morgen, wird die Stadt und das Reich sich ein letztes Mal den Belagerern in den Weg stellen. Der der geplante Ausfall wird diese derart überraschen, dass die Strategen des Reiches maximale Chancen gegen die Orks vorsehen.

Kommt und Kämpft für das Reich, kämpft für die Freiheit aller und lehrt dem Orkgesindel das Fürchten!

Als du zu Ende gelesen hast, bemerkst du, dass du nicht der Einzige bist, der schweigend vor dem Pergament steht.
Doch genau wie auch die anderen vermagst du kein Wort dazu zu sagen.
Schweigend gehen die Leute weiter und auch du gehst zurück in dein Notlager. Du gehst hinüber zu den Betten deiner Söhne. Siebzehn und dreizehn. Beide waren eigentlich zu jung für den Krieg, doch ist in dem Großteil ihrer Lebenszeit Krieg gewesen. Nie so dicht und nie so gefährlich.

Schweigend lesen auch sie den Aufruf und scheinen sofort zu verstehen.

„Ich will auch meinen Teil leisten“, diese Worte deines Jüngsten schnitten wie glühende Messer in dein Gemüt, unterbrechen deine Vorbereitungen jedoch nicht. Zumindest würde er nicht an der Front kämpfen müssen, wie Alrick dein Erstgeborener.
Traurig lächelnd wirfst du ihm ebenfalls einen Rucksack zu, in welchem sich fast alles befindet, was ein guter Knappe so braucht…

RPG Lage Bild

Zur Lage des Reiches [RPG]

Erholung und Schlaf versprichst du dir, als du spät an einem kalten Abend die steinernen Stufen hinauf zum Eingang eines Gasthauses gehst. Soweit du weißt, ist dies das einzige Gasthaus des kleinen Örtchens Schönwalde. Und auch wenn die Kistenstapel, Karren und Lasttiere aller Art dir schon verraten, dass du nicht der Einzige bist, der diesen Tag gewählt hat, um in Schönwalde anzukommen, ist es doch ein kleiner Schock, als du siehst, wie voll diese Gaststube mit Leuten ist.
In den zwanzig Minuten, die du darauf wartest, dass eine der Schankfrauen oder der Wirt dich beachten, und dir einen Platz zuweisen, hast du viel Zeit die Lage zu sondieren. Obwohl die Taverne komplett gefüllt ist und stellenweise sogar abgerissene Gestalten auf der Treppe nach oben oder in den Gängen sitzen, herrscht doch betretene Stille in der Kneipe. Hier und dort wird leise geredet, doch die schiere Masse an Personen müsste viel lauter sein. Du kannst es fast riechen, die Luft ist schwanger mit Sorgen und Nöten. Die Atmosphäre gefällt dir, weil sie nicht zuletzt dein tiefstes Inneres wiederspiegelt.
In der Zeit des Wartens kannst du aber tatsächlich einen freien Platz ausmachen. Ganz weit hinten in einer Ecke sitzt ein Mann alleine an einem Tisch und starrt in der Zeit, in der du ihn beobachtest, regungslos auf einen aufgefalteten Brief.
Nach einer kurzen Weile des Wartens direkt am Tresen, drückt auch dir der Wirt wortlos einen Krug Bier in die Hand. Als du ihm mit einem Kopfnicken bedeutest, dass du einen weiteren haben möchtest, um dich in die Ecke zu der einsamen Gestalt zu setzen, schaut er hinüber zu jener Person, verharrt und seufzt schließlich nur traurig. Er nimmt dir deinen Krug wieder ab und kurze Zeit später hältst du ein kleines Tablett in den Händen, auf dem der Wirt zwei Krüge helles Bier sowie zwei Whiskey in schweren, kleinen Gläsern stellt.

RPG Lage des Reiches

Minecraft Mittelalter RPG – Zur Lage des Reiches

Du verharrst einen Moment vor dem Tisch des Mannes in der Ecke. Er scheint tief in Gedanken versunken zu sein. Er liest nicht … er blickt einfach nur leer auf den Brief in seiner Hand.
Doch noch bevor du dich fragen kannst, ob du ihn nicht doch lieber seinen Gedanken überlässt, schaut er zu dir auf. Eine unbeschreibliche Fahne von Alkohol und Bier weht zu dir herüber, als die relativ nobel, aber ungepflegt und schon lange ohne Kleiderwechsel gekleidete Person zu dir sagt: „Kommt, keine falsche Scheu, setzt Euch Fremder. In diesen Zeiten spielen Rang, Stand und Namen keine Rolle mehr. Erzählt mir Eure Geschichte… möge sie eine bessere sein als die meine.“
Überrascht wegen der klaren Worte – hattest du doch erwartet, dass er bei den Alkoholausdünstungen keinen geraden Satz mehr formulieren könnte – setzt du dich ihm gegenüber und stellst jedem von euch eines der mitgebrachten Getränke hin.
Stumm beobachtet dich dein Gegenüber. Doch immer wenn du ein Getränk zu ihm stellst, nickt er dir dankbar zu.
Erst als du deinen Krug zum Anstoßen erhebst, schreckt der Mann hoch, faltet eilig den Brief zusammen und versteckt ihn in seiner Innentasche.

„Also Fremder, erzählt mir, woher stammt Ihr?“, eröffnet er das Gespräch.
Du erzählst ihm von deiner Anreise aus Lagos, dass auch du dem Evakuierungsbefehl gefolgt bist. Wehmütig und mit einer Träne im Auge berichtest du ihm auch so gut es geht von deinem Leben in Lagos, wie es früher in der guten Zeit war. Das Reden über die gute Zeit hilft, sowohl deine als auch seine Stimmung verbessert sich beim Schwelgen in Erinnerungen. Doch als du mit deiner Geschichte endest, ist auch das kurze Gefühl des Glückes wieder dahin. Noch intensiver als zu vor verspürst du nun die Trauer und Verzweiflung, die sich nach und nach immer tiefer in dein Bewusstsein drängen.
„Nun … mein Freund“, versuchst du zaghaft eine engere Verbindung zu dem bisher recht schweigsamen Mann aufzubauen, „das war meine Geschichte … wie steht es mit Euch? Was führt Euch hier her? Und woher kommt Ihr?“.
„Wer ich war, was ich hatte und woher ich komme. Ja, vor einigen Monaten hatten diese Fragen noch eine Bedeutung. Heute bin ich nur noch ein Diener des Reiches. Und alles, was jetzt noch zählt, ist, wohin ich gehe.“, antwortet er dir nach einem tiefen Schluck aus dem Whiskeyglas.
Unmerklich leiser werdend führt er fort: „Ich werde schon morgen, noch vor dem ersten Sonnenstrahl, eine Gruppe von fünf Bannern nach Gwin-Bar führen. Die letzten Männer … „.
Wieder macht er eine bedeutungsschwere Pause. Als du versucht bist nachzuhaken, wovon er da spricht, fängt er von sich aus an, weiter zu erzählen:
„Morgen werde ich die letzten Tore schließen und die letzten Bewohner einer dereinst prunkvollen Stadt auf eine Reise anführen. Für viele, und ich hoffe nicht für alle, wird es die letzte große Reise sein …“.
„Ich versteh nicht recht … Welche Stadt meint Ihr?“, platzt es aus dir heraus.
„Sendelminar, Nadel der Wüste … meine geliebte Heimat …“.
„WAS? Jetzt auch Sendelminar? Ist die Stadt schon komplett evakuiert? Eigentlich war ich auf direktem Wege…“, doch ein langsames Nicken des Fremden lässt dich unterbrechen.
„Ja, deswegen sitze ich hier. Morgen schließe ich die Stadt und überlasse die Reste den Narren, die sich weigern, dem Evakuierungsbefehl Folge zu leisten und sich stattdessen lieber im Turm verschanzt haben. Den Turm gegen die Orkhorden zu halten ist aussichtslos, aber leider hat nicht jeder meiner Bürger das eingesehen.“ Langsam richtet er sich auf und zieht den Brief, den er vorhin so eilig zu verstecken suchte, hervor.
„Wisst Ihr, ich sehe keinen Grund mehr darin, es vor jedem geheim zu halten. Es tut mir sicher gut, mit jemanden klar darüber reden zu können. Hier, lest selbst!“, er reicht dir den gefalteten Brief und erhebt sich.
Mit einer kurzen Geste bedeutet er dir, dass nur du diesen Inhalt lesen sollst, und dass er sich um neues Bier und seine Erleichterung kümmern würde.
Der Brief ist auf schwerem und teurem Papier verfasst worden. Als du die erste Seite umschlägst, fällt dir sofort ein schweres wächsernes Siegel ganz am Ende des Dokumentes auf.
Es ist das königliche Wappen und das königliche Siegelband, was dort auf dem Pergament prangt.
„Puh…“, blähst du deine Backen auf, zu mehr Erstaunen bist du heute nicht mehr fähig und beginnst schließlich das Dokument zu lesen.

Sehr geehrter General Bürgermeister,

wie sie vielleicht an dieser Stelle empört bemerken, haben wir sie nicht mit den von Ihnen gewohnten Titeln angesprochen. Doch im nachfolgenden Schreiben werden wir dies erklären und hinreichend darlegen.
In Anbetracht unserer langjährigen Beziehungen und einer Art Freundschaftlichkeit, möchte ich Euch an dieser Stelle einen Gefallen tun, um den Ihr mich seit einigen Jahren bereits betet. Bisher hatte ich direkten Befehl, Euch diesen Wunsch zu verweigern, aber da der König nicht mehr im Lande ist, habe ich keine erneuten Instruktionen in Sachen Geheimhaltung erhalten. Auch muss ich diese Worte hier und jetzt niederschreiben, da ich mich am Ende dieses Briefes mit der Herausgabe der Informationen des Hochverrates strafbar machen würde. Doch bis dahin seid Ihr, was ihr wart, und Euch stehen diese Informationen zu.
Ihr batet mich, seit den ersten Begegnungen mit den Orks, den ersten Berichten und Gerüchten, um direkte Übermittlung der geheimen Informationen, die das Reich über alle Aktivitäten der Orks aufzeichnen konnten. Der König und seine militärischen Berater hielten es dereinst für sinnvoll, zur Panikvermeidung all diese Informationen geheim zu halten und auch die Höchsten des Reiches nicht wissen zu lassen.
Auch wenn dies alles viel zu spät kommt, kann ich Euch über den Verlauf der Invasion Folgendes sagen:
Die Orks kamen aus dem eisigen Süd-Westen. Sie mussten viele hundert Meilen des Packeises überquert haben. Unsere Späher haben das Land weit in alle Himmelsrichtungen durchstreift. Doch weder Abenteurer noch Kartographen konnten auch nur erahnen, von wo diese Kreaturen ursprünglich kommen. Alles was man wusste, dass sie sich vermehrten. Teils brachen sie den Willen und den Verstand der Menschen und machten sie zu den ihren, teils zogen und ziehen sie noch immer ihre eigenen Kinder mittels grausigen Ritualen und blutigen Bräuchen zu dem heran, was sie selbst sind, Monster.
Die Geheimdienste meldeten für die nächsten Monate Orksichtungen überall herum um das Reich. Die Orks haben sich aus dem Norden um das Reich herum aufgestellt und uns von allen Seiten gleichzeitig angegriffen. Nur der südliche Seeweg scheint bis heute orkfrei zu sein.

Nach und nach gingen die Orks vor allen wichtigen und großen Städten in den Belagerungszustand, zermürbten die Städte und Bürger. Das war die Zeit, als erste Evakuierungsbefehle gesendet wurden.
Ihr erinnert Euch sicherlich noch allzu lebendig an meine langen Briefe, die auch den Bürgern Dschununs und im besonderen Sendelminars, Nadel der Wüste, Hauptstadt Dschununs, die Evakuierung befahl. Es ist viele Monde her, und Eure Bürger sind größtenteils wohlbehalten in Gwin-Bar angekommen, soviel kann ich Euch versichern.

Zunächst war der Strom an Flüchtlingen noch gering. Niemand wollte so recht glauben, welche Gefahr das Reich bedrohte, hatte doch die Geheimhaltungspolitik vortrefflich funktioniert. Doch als erste Berichte eintrafen, dass Städte – wie zu Beginn Kathea – niedergebrannt und zerstört wurden, kamen die Massen.
Der Stadt Gwin-Bars vermochte es schon wenige Tage nach den grausigen Nachrichten nicht mehr, die Zahl der Fliehenden zu fassen. Mittlerweile platzt Gwin-Bar aus allen Nähten, die Nahrungsreserven und Ressourcen sind beinahe aufgebraucht.
Viele wichtige Lieferungen aus den Städten und der Kornkammer des Reiches blieben aus und wir mussten früher als geplant auf die Notreserven zurückgreifen.
Vor einigen Tagen hat auch der König das Reich verlassen. Auch wenn er sich mit Händen und Füßen gewehrt hat, ist es doch geltendes Kriegsrecht, dass die Kriegsminister gegen die Stimme des Königs seine Evakuierung anordnen können.
Viele der Flüchtlinge versuchen jetzt ebenfalls eine Passage zu der Insel Bar Varna zu bekommen. Bisher scheint die Insel von der Orksbedrohung nicht betroffen zu sein.
Die Reste des Reiches werden also nur noch von den Räten und den engsten Vertrauten des Königs nach seinen Angaben und Gesetzen geführt. Nur das versetzt mich in die Lage, diese längst überfälligen klaren Worte an Euch zu richten.
Ich möchte euch die letzte Tabelle zukommen lassen, die unsere Strategen zuletzt herausgegeben haben.

Alkhadhar:
Lagos: Belagerung steht bevor
Milling: keine Informationen

Das Prinzipat:
Deliberatio: zerstört
Namora: Kontakt abgebrochen, Letzter Stand: Belagert
Valyrias: evakuiert, verlassen

Luxlaminas:
Ashvalion: Kontakt vor Monden abgebrochen, vermutlich gefallen
Ath Cliath: Belagerung, Hafenblockade
Haven: umkämpft

Dschunun:
Sendelminar: Späher melden Orkhorden, Evakuierung läuft
Arradon: leistet Widerstand gegen Belagerung, 3 Banner

Caladia:
Dartmoor: evakuiert, gefallen
Gwin-Bar: Belagerung steht bevor, Ressourcenknappheit, 60 Banner

unabhängige und freie Städte:
Haithabu: gehalten, Belagerung zurück geschlagen, Otikito + 1/2 Banner wilder Nordmänner, es wird über Walkürensichtungen gemunkelt
Kathea: gefallen, übernommen
Ravenwood: Kontakt abgebrochen, unbekannt

Wie Ihr unschwer erkennen könnt, das Reich ist am Ende. Wenn die Orks nicht auf der Stelle zurückgeschlagen werden, sind wir alle verloren.
Und dies alles, mein Freund, bringt mich zu einer meiner schwersten Aufgaben dieser Tage:
Es ergeht, aus dem Beschluss des Königs und der Räte vom Tag 14 des Jahres 536 ndS, dass ab sofort alle Nationen, welche unter der Krone dienen, aufgelöst werden. Da das Reich auf Grund der Krisensituation nicht mehr in der Lage ist, seinen Untergeben hinreichend Schutz zukommen zu lassen, sieht die Krone sich nicht mehr in der Lage seinen Teil der heiligen und alten Verträge einzuhalten und entlässt einen Jeden aus seinem Bund.
Dies beinhaltet auch die offizielle Entlassung aller Amts- und Würdenträger und somit auch die Aufhebung ihrer Schwüre und Eide.
Ja, ihr versteht richtig, Ihr, sowie alle anderen, seid von euren Ämtern enthoben und frei.

Nun lieber Freund, Ihr versteht jetzt, weshalb ich auf eine korrekte Anrede verzichtete.
Weiter heißt es:
Allen nun freien Beamten, Heerführer, Staatsoberhäupter und einem jedem Freiwilligen sei offiziell eine Stelle unter der Flagge Gwin-Bars angeboten. Das Heer heißt einen jeden willkommen und ist bemüht jedem angemessen seines früheren Ranges einen Posten zukommen zu lassen.
Somit, werter Bürgermeister, bin ich bemächtigt, solltet Ihr mit Euren Männern sich der Sache der Menschheit in diesem Reich anschließen wollen, den Rang eines Generals zu verleihen. Eure Männer und wahlweise fünf weitere Banner würde die Krone unter Eure Führung stellen.
Solltet Ihr uns helfen wollen, und diesen Bedingungen zustimmen, so lasst packen und eilt so schnell Ihr könnt mit Euren letzten Männern in die Hauptstadt.
Nun, da ich das Schlimmste hinter mich gebracht habe, muss ich diesen Brief auch leider enden lassen. Ich hoffe sehr, Euch schon bald gerüstet an unserer Stadtmauer, so herzlich ich es in diesen Tagen vermag, zu begrüßen. Ich bete zu den Göttern, dass Ihr uns helft, als freier Mann unter Gleichen.
Alle notwendigen und amtlichen Dokumente lasse ich Euch zukommen, sobald sie fertig gestellt sind. Es erweist sich als ausgesprochen hinderlich, die vielleicht letzten Schlachten der Menschheit zu planen, wenn man derartig viel Papierkrieg damit hervorruft.

In Erwartung eines baldigen Wiedersehens, ein alter Freund

Reichsobersekretär Nicolas Haagen
im Namen seiner Majestät dem König Calad Amars

Du hast kaum geatmet, während du dieses Schreiben gelesen hast. Dieser Zettel, diese Geschichte… Es hast dich vollkommen in seinen Bann gezogen, diese Worte des … Reichsobersekretärs… zu lesen.
Dein Nacken schmerzt, als du deinen Kopf hebst. Doch vor dir sitzt niemand. Ein großer Teil der Gäste ist mittlerweile aus der Schankstube verschwunden. Wie viel Zeit ist vergangen? Du hattest das Schreiben vielleicht zwei- oder dreimal gelesen…
Auf dem Tisch vor dir steht nur noch ein Krug. Das Bier darin ist mittlerweile warm und schal. Darunter findest du einen kleinen Zettel. In einer kaum noch zu erkennenden Handschrift steht dort geschrieben:

Verbrenn es, vergiss es. Danke für das Gespräch, pass auf dich auf, mein fremder Freund.

Der Bursche war doch betrunkener, als du dachtest, anders kannst du dir dieses Gekrakel nicht erklären. Auch wenn der Wirt eigentlich kein Zimmer mehr frei hatte, bietet er dir die Strohkammer des Dachbodens ohne Kosten an. Dankbar nimmst du dieses Angebot an und als du mit deinem Rucksack in Richtung Treppe zum Dachboden gehst, lässt du kaum merklich eine kleine Kugel im Vorbeigehen in den leise knisternden Kamin fallen.